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Hfz. Mahir Zeqiri gehört zu den dienstältesten ReligionslehrerInnen in Österreich. Er ist seit 1991 als islamischer Religionslehrer im Dienst und war von 1989 bis 2017/18 als Imam tätig.

Neben diesen beiden Tätigkeiten nahm er weltweit an zahlreichen Koranrezitationswettbewerben erfolgreich teil.

Bereits mit dreizehn Jahren konnte er den gesamten Koran auswendig rezitieren und wurde Hafiz. Nach einem vierjährigen Besuch des islamischen Gymnasiums in Kosovo, folgte sein Studium in islamischer Theologie in Bosnien. Hfz. Mahir Zeqiri spricht sieben Sprachen, ist verheiratet und lebt in Wien.

In diesem Beruf ist alles schön.

Wie haben Sie sich zum Lehrerberuf entschlossen?   

Als Imam habe ich nur an den Wochenenden, also von Freitag bis Sonntag gedient. Ich wusste nicht einmal, dass es diese Möglichkeit gibt. Ein geschätzter Freund und Bruder hat mir davon erzählt und mich dem damaligen Präsidenten Dr. Ahmed Abdelrahimsai (rahimhullah) empfohlen. Nach einer abgelegten Prüfung wurde ich schließlich als Religionslehrer aufgenommen. 

Was war Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

In diesem Beruf ist alles schön.

Auch wenn es manchmal anstrengend ist, erlebt man ständig einmalige und wunderschöne Momente mit den Kindern. Wenn die Kinder mich sehen, rufen sie laut „Hodscha!“ Man sieht, dass sie sich auf die Religionsstunde freuen. Sie schreiben mir kleine Briefe, auf denen steht: „Du bist der beste Hodscha der Welt.“ Das macht mich sehr glücklich.

Einmal traf ich auf der Straße einen Schüler von mir. Ich hatte die Mutter des Schülers zuvor nicht kennengelernt. Sie begrüßten mich und die Mutter fragte mich, ob ich Herr Zeqiri der Religionslehrer sei. Ich bejahte. Die Dame sagte zu mir, dass Allah mir nur Gutes sowohl auf der Erde als auch im Jenseits geben soll. Sie fuhr fort und meinte, dass ich ein wunderbarer Lehrer sei. Immer wenn ihr Sohn von der Schule nachhause kam, ließ er keine Gebetszeit verstreichen. Die Mutter hatte durch ihr Kind angefangen zu beten. Sie bedankte sich und teilte mir mit, dass sie sich freut, dass ich den Kindern und ihren Familien Freude und Glück bringe.

Dies war ein Moment, der mich sehr glücklich machte. Es gibt mir auch heute in älteren Jahren Kraft weiterzumachen, solange ich noch die Gelegenheit dazu habe. Die Freude der Kinder ist auch meine Freude.

Gab es einen Moment/Tag an dem Sie diesen Beruf aufgeben wollten bzw. Ihnen der Weg in die Schule schwer gefallen ist?

Aufgeben? Niemals! Ich habe jede Minute mit den Kindern genossen und genieße es noch immer. Bis vor fünf Jahren war der Krankenstand ein „Fremdwort“ für mich. Die Zeit mit den Kindern ist für mich ein Gottesdienst. Ich bin dankbar diesen Beruf zu haben, weil es für mich wie ein Heilmittel für die Seele ist. Es bereitet mir Freude.

Sie gehören zu den ersten und erfahrensten ReligionslehrerInnen der IGGiÖ. Erinnern Sie sich an ihren ersten Religionsunterricht? Können Sie uns ein bisschen über die damalige Situation berichten?

Ja, natürlich! Es gibt viele Erinnerungen. Wir unterrichteten an mehreren Schulen pro Tag. Der Unterricht fand immer am Nachmittag statt. Die Erstellung des Stundenplans war sehr kompliziert. Oft gab es nur einen Standort für mehrere Schulen, also der Unterricht fand extern statt. Die Kinder kamen am Nachmittag von zuhause ein weiteres Mal in die Schule zum Religionsunterricht. Ich erinnere mich auch gerne an viele gemeinsame Iftare, die wir in der Schule gemeinsam mit den Kindern veranstaltet haben.

Die Freude der Kinder ist auch meine Freude.

Wenn Sie Schule damals und heute vergleichen, wo hat Ihrer Meinung nach die größte Veränderung stattgefunden? Was hätten Sie gerne beibehalten? 

Wie bereits erwähnt, damals war es organisatorisch um vieles Schwerer als heute. Es war nicht möglich parallel zu unterrichten. Viele KollegInnen haben außerhalb Wiens in anderen Bundesländern unterrichtet, obwohl sie in Wien wohnhaft waren. Sie waren jeden Tag stundenlang unterwegs und sind von einer Schule zur anderen gefahren. Heute unterrichten viele LehrerInnen in der Nähe ihres Wohnsitzes. Auch der Unterricht findet parallel zu dem anderen konfessionellen Religionsunterricht am Vormittag statt. Das ist eine große Erleichterung und es ist gut so. Das würde ich gerne beibehalten.

„Der Hodscha hat mir das aber so gesagt,“ sind oftmals Worte, die wir ReligionslehrerInnen zu hören bekommen. Sie sind Imam und Religionslehrer, wie gelingt es Ihnen die Balance zu halten? Wo liegen Ihrer Meinung nach, die Grenzen dieser beiden Berufsfelder?

Ja das stimmt! Ich selbst habe das sehr oft erlebt. Es sind zwei Berufe mit unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen. Eines ist der Imam und das andere der Lehrberuf. Der Imam in der Moschee predigt und erzählt Inhalte, die für die erwachsenen Menschen greifbar und verständlich sind. Der Lehrer unterrichtet die Kinder und gestaltet den Unterricht altersentsprechend. In der Moschee erzählt der Imam über die Pflichten und die Aufgaben eines Moslems. Im Unterricht bereitet der Lehrer diese Aufgaben spielerisch, mit Zeichnungen, mit Übungsblätter, mit Fragebögen, anhand von Bildern, Zeichnungen, durch Lieder oder mit Beispielen auf. So dass die Schüler Spaß haben und gerne mitmachen wollen.

Es gibt nichts Schöneres als ein Lehrer zu sein.

Wir wissen, dass Sie eine sehr schöne Stimme haben (maschAllah) und immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen und Anlässen Rezitator waren. Wie bereiten Sie sich darauf vor? Welche bekannten Persönlichkeiten durften schon Ihrer Rezitation lauschen.

Alhamdulillah, Allah sei Dank für diese Gabe. Ich bin sehr dankbar, dass ich meine Stimme für die gute Sache verwenden kann. Mein Vorbild beim Üben war der bekannte bereits verstorbene Hfz Abdul Basit Abdussamed. Ich habe sehr viel geübt.

Ich bin nicht nur bei verschiedenen Veranstaltungen aufgetreten. Über zehn Jahre lang war ich auch bei der Sendung “Die Stimme des Islam” auf ORF als Rezitator und Gebetsrufer zu hören. Weiters habe ich an mehreren weltweiten Wettbewerben teilgenommen.

Im Jahr 1982 bin ich in Libyen angetreten und auch in Mekka. Als Ehrengast durfte ich in die Kaaba rein gehen und drinnen beten. Im Jahr 1987 bin ich in Zagreb angetreten und  habe noch an zahlreichen anderen Veranstaltungen teilgenommen, Allah sei Dank. 

Was möchten Sie den KollegInnen mitgeben/noch sagen?

Es ist eine große Ehre diesen Beruf zu haben, aber gleichzeitig auch eine große Verantwortung, weil uns viele Kinder anvertraut werden. Sehr oft höre ich von den Kindern: „Hodscha, du bist der beste Hodscha der Welt und du wirst ins Dschannah kommen!“ Ich antworte “InschaAllah, gemeinsam mit euch.” Viele von diesen SchülerInnen arbeiten heute an verschiedenen Institutionen und wenn ich sie heute treffe, begrüßen sie mich und sagen: „Selamun alejkum Hodscha, das ist mein Hodscha, mein Islamlehrer.“ Es gibt nichts Schöneres als ein Lehrer zu sein.

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